Buchtipp: Wissenschaft ist frei – Auch in der Pandemie?

Der Autor:

Günter Kampf ist selbstständiger Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin in Hamburg sowie seit 2009 außerplanmäßiger Professor für Hygiene und Umweltmedizin an der Universität Greifswald. Er hat mehr als 230 wissenschaftliche Veröffentlichungen in meist internationalen Fachzeitschriften, 44 Buchkapitel sowie fünf Fachbücher veröffentlicht.

Einführung

Sein erstes Buch, erschienen im Februar 2021, mit dem Titel Corona-Maßnahmen – Nutzen, Risiken und Folgen war eines der besten Bücher zum Corona-Geschehen, welches ich in meinen Händen halten durfte. Fernab von der Aufklärungsoffensive der alternativen Medien analysierte Dr. Kampf sachlich, klar und sehr fundiert das aktuelle Corona-Geschehen. Immer um Ausgewogenheit bemüht und mit Quellen unterlegt, zeigte er die fehlende Evidenz und die vielen Missstände in der Corona-Politik auf. Er ging dabei auch auf die Folgen und Kollateralschäden der Maßnahmen ein. Ebenfalls im Februar 2021 erschien im anerkannten Wissenschaftsmagazin The Lancet ein Brief von ihm und Harvard-Professor für Medizin Martin Kulldorff. In diesem Brief forderten beide eine Risiko-Nutzen Bewertung der Corona-Maßnahmen. Nach der Lektüre des ersten Buches hatte ich das Glück, dass Dr. Kampf mir ein paar Fragen zum Thema Corona beantwortete. Das gesamte Interview habe ich in einem Artikel veröffentlicht.

Das neue Buch

Sein neues Buch “Wissenschaft ist frei – Auch in der Pandemie?” ist Oktober 2021 erschienen. Wieder schafft es Dr. Kampf die vielen Teilbereiche des Corona-Geschehens einzeln, sachlich und faktenbasiert zu beschreiben. Es ist eine Art Nachschlagewerk mit über 170 Quellen, in welchem sowohl die Grundlagen evidenzbasierter Medizin, die Studienlage zu Masken, die Arbeit der Leopoldina, die Rolle von Medien, Politik und Wissenschaft als auch die berühmtesten Kritiker der Maßnahmen zu finden sind. Er beschreibt z.B. welche “Kollegen” mit welcher Expertise als Kritiker der Corona-Maßnahmen für den Diskurs relevant waren und sind und was diese von den Experten der staatsnahen Gremien unterscheidet. Immer wieder beschäftigt ihn dabei die Frage wie frei die Wissenschaft in Bezug zu Corona ist. Am Beispiel der Masken erklärt Kampf:

Somit finden sich einige Hinweise, dass es beim Thema Masken teilweise institutionelle Einschränkungen der Freiheit der Wissenschaft gegeben hat.”

In seiner sehr ausführlichen Analyse der Leopoldina und ihrer beratenden Funktion der Bundesregierung kommt Kampf zu folgender Erkenntnis:

Die Unabhängigkeit der Wissenschaft, finanziert durch den Staat, ist normalerweise ein großer
Vorteil, da der Staat in der Regel kein eigenes Interesse am Ergebnis hat. Hier ist es jedoch anders, da der Staat durch kritische Ergebnisse in Erklärungsnot kommen könnte, die dem eigenen Handeln eventuell die wissenschaftliche Grundlage und Begründung entziehen. Das kann die Glaubwürdigkeit der Politik massiv schädigen. Auf dieser Grundlage sehe ich hier einen möglichen Interessenkonflikt.”

Das Buch widmet sich auch den Medien und Faktencheckern und beschreibt den offenen politischen Druck, der auf Wissenschaftler im Zusammenhang mit Corona ausgeübt wurde. Dabei geht der Autor einerseits auf einige Haupakteure der Politik ein. (Lauterbach, Söder, Spahn, Esken) Andererseits beschreibt er den politischen Druck, der z.B. auf die Stiko bezüglich der Impfempfehlung für Kinder von 12-17 Jahren ausgeübt wurde.

Das Buch endet mit einem Abschnitt, der die Frage aufwirft, was Politik darf oder lassen sollte und was Wissenschaft leisten oder lassen sollte. Herr Kampf ist der Meinung dass Politik folgendes lassen solle:

Eine Einflussnahme von Politik und Staat auf die Wissenschaft ist kategorisch abzulehnen. Selbst der Versuch der Einflussnahme muss ein Tabu sein und geächtet werden. Es sollte auch keine Erwartung an das Ergebnis wissenschaftlicher Untersuchungen und Stellungnahmen formuliert werden. Staat und Politik müssen damit leben, dass manche der eigenen Entscheidungen auf wissenschaftlicher Basis nicht wirklich gerechtfertigt werden können. Wissenschaftler, die Entscheidungen von Staat und Politik für falsch halten, sind mit derselben Wertschätzung zu behandeln wie diejenigen, die den jeweiligen Kurs der Politiker unterstützen. Andersdenkende Wissenschaftler sollten keinesfalls schlechter gestellt oder sogar diffamiert werden.

Die Fragestellung was die Wissenschaft in Zeiten von Corona leisten sollte beantwortet Dr. Kampf wie folgt:

“Um den Menschen und der Politik eine belastbare Grundlage für sinnvolle Verhaltensregeln während einer Pandemie zu geben, sollte die Wissenschaft auf Basis einer präzisen Fragestellung die Literatur nachvollziehbar, systematisch und kritisch auswerten. Das Design der Studien sollte analog zu den Kriterien der evidenzbasierten Medizin und ihrer Evidenzkategorien eine wesentliche Rolle spielen. Auf diese Weise lässt sich die kumulative Evidenz zu einer Fragestellung zusammentragen. Dabei darf es keine Rolle spielen, was man selbst für richtig hält oder was die Politik momentan befürwortet.”

Im Klappentext des neuen Werks heißt es:

“Es steht nicht gut um die Freiheit der Wissenschaft. Ihre Unabhängigkeit, finanziert durch den Staat, ist normalerweise ein großer Vorteil, solange der Staat kein eigenes Interesse am Ergebnis hat. Doch in der COVID-19-Pandemie scheint das bei einzelnen Fragestellungen nicht mehr zu gelten. So wurden beispielsweise wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Masken aus fadenscheinigen Gründen abgewertet oder zurückgezogen. Öffentliche Kritik an ausgewählten Maßnahmen kommt vorwiegend von Wissenschaftlern außerhalb des Staatsdienstes. Sogenannte Faktenchecker deklarierten Berichte über einzelne wissenschaftliche Publikationen als „schädliche Inhalte“. Politiker üben offenen Druck auf Wissenschaftler aus, wenn diese nicht den Kurs der Regierenden unterstützen. Und die Leopoldina beschreibt ein Dokument als Wissenschaft, was in keiner Weise den internationalen Ansprüchen an evidenzbasierte Empfehlungen entspricht. Warum ist das so? Anhand ausgewählter Beispiele wird nachvollziehbar aufgezeigt, warum der Staatsdienst bei einzelnen Fragestellungen möglicherweise einen Interessenkonflikt darstellt. Die Wissenschaft kann nur dann wieder frei sein, wenn sie öffentlich Distanz zu staatlichen Autoritäten wahrt, kontroverse Debatten einfordert und politische Entscheidungen und ihre Begründungen fortwährend kritisch und ergebnisoffen auf ihre wissenschaftlichen Grundlagen hinterfragt.”

Ich empfehle die Lektüre des Buches als einen wichtigen Baustein zurück zu einer faktenbasierten, fragenden, respektvollen und fundierten Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex Corona. Möge es möglich sein, die Wissenschaft in den Dienst der Wahrheit zu stellen und sie vor ungesunder Beeinflussung zu schützen.

Buch bestellen: https://tredition.de/autoren/guenter-kampf-36426/wissenschaft-ist-frei-paperback-162112

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