Wer (WHO) will die Welt beherrschen?

von Paul Frjters, Gigi Foster, Michael Baker

Ende Mai wurden in Genf auf der 75. Tagung des WHO-Entscheidungsgremiums, der Weltgesundheitsversammlung (WHA), Änderungen der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV) diskutiert und beschlossen. Im Falle ihrer Verabschiedung würden sie der WHO das Recht einräumen, unverhältnismäßigen Druck auf Länder auszuüben, die WHO-Befugnisse und gesundheitspolitische Maßnahmen zu akzeptieren, wenn die WHO entscheidet, dass eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit besteht, die sich über die Grenzen eines Landes hinaus ausbreiten könnte.

Wie Ramesh Thakur, seit Jahren der zweite Mann bei der UNO, feststellte, würden die Änderungen “den Aufstieg einer internationalen Bürokratie bedeuten, deren definierter Zweck, Existenz, Befugnisse und Budgets vom Ausbruch von Pandemien abhängen werden, je mehr, desto besser.”

Dies ist der erste eindeutige Fall eines globalistischen Putschversuchs. Er würde die nationale Souveränität weltweit untergraben, indem er die tatsächliche Macht in die Hände einer internationalen Gruppe von Bürokraten legt. Es wird seit langem vermutet, dass die autoritären Eliten, die in den Zeiten des Kalten Krieges entstanden sind, versuchen würden, ihre Positionen zu stärken, indem sie die Nationalstaaten untergraben, und dieses 75.

Was für eine Gelegenheit also, um zu sehen, wer zu den Verschwörern gehört. Wer hat die Änderungsanträge verfasst? Was stand in ihnen? Welche Personen unterstützten sie oder sprachen sich gegen sie aus?

Wer (WHO) waren die Verschwörer?

Die Änderungsanträge, die auf der WHA-Sitzung im Mai auf dem Tisch lagen, wurden der WHO am 18. Januar vom US-Gesundheitsministerium übermittelt, am 20. Januar von der WHO an ihre Mitgliedstaaten (“Vertragsstaaten”) weitergeleitet und am 12. April der WHA offiziell vorgestellt.

Einer Ankündigung vom 26. Januar zufolge wurden die Vorschläge von 19 Ländern und der Europäischen Union mitgetragen. Auch wenn einige der Mitunterzeichner kaum direkt an der Ausarbeitung beteiligt waren, hätten sie alle dem übergeordneten Ziel, die Befugnisse der WHO gegenüber den Mitgliedstaaten im Falle eines gesundheitlichen Ereignisses zu stärken, grundsätzlich zugestimmt.

Loyce Pace, die stellvertretende Sekretärin des Gesundheitsministeriums für globale Angelegenheiten – die führende US-Beamtin, die nominell für die vorgeschlagenen Änderungen verantwortlich ist – kam frisch von ihrer Tätigkeit als Exekutivdirektorin einer Lobbyorganisation namens Global Health Council (globaler Gesundheitsrat) zur Biden-Regierung.

Dieser Rat wird von der Bill & Melinda Gates Foundation finanziert und zu seinen Mitgliedern gehören Eli Lilly, Merck, Pfizer, Abbott Labs und Johnson & Johnson. Sie ahnen es schon. Über einen der Füchse, die sich in Hühnerwächter verwandelt haben, hat es den Anschein, dass das Gesundheitsministerium bei der Ausarbeitung dieser Änderungsanträge eng mit großen Pharmaunternehmen zusammengearbeitet hat, die auf eine proaktivere (sprich: gewinnbringende) Reaktion auf jeden echten oder eingebildeten Notfall im Bereich der öffentlichen Gesundheit warten.

Der Verschwörerclub besteht also in erster Linie aus der US-Regierung und ihren westlichen Verbündeten, die im Gleichschritt mit Big Pharma agieren und darauf aus sind, sowohl die Souveränität ihrer eigenen Regierungen als auch die anderer Länder zu untergraben, vermutlich in der Vorstellung, dass die westlichen Eliten das Rennen machen würden.

Was stand da drin? Ein Wirrwarr von Akronymen und Euphemismen

Um zu verstehen, was die USA auf der WHA vorschlugen, müssen wir zunächst verstehen, wie die Dinge in der WHO bis zu diesem Zeitpunkt gelaufen sind.

Die IHR in ihrer jetzigen Form sind seit Juni 2007 als internationales Recht in Kraft. Sie verpflichten die Länder u. a. zur Erkennung, Meldung und Reaktion auf “gesundheitliche Ereignisse von internationalem Belang” (PHEICs). Der Generaldirektor der WHO berät sich mit dem Staat, in dem ein mögliches Ereignis im Bereich der öffentlichen Gesundheit aufgetreten ist, und innerhalb von 48 Stunden sollen sie sich darauf einigen, ob es sich tatsächlich um ein PHEIC handelt, ob es der Welt als solches gemeldet werden muss und welche Gegenmaßnahmen gegebenenfalls ergriffen werden sollten. Es handelt sich im Wesentlichen um ein Frühwarnsystem für größere Gesundheitskrisen. Das ist eine gute Sache, wenn es von Menschen geleitet wird, denen man vertrauen kann, und wenn es über Kontrollmechanismen verfügt, die expansive Tendenzen eindämmen.

Die vorgeschlagenen Änderungen würden die Befugnisse der WHO im Vergleich zu dieser Ausgangslage in mehrfacher Hinsicht erheblich stärken.

Erstens senken sie die Schwelle, ab der die WHO einen gesundheitlichen Notfall ausrufen kann, indem sie die Regionaldirektoren ermächtigen, ein “gesundheitliches Ereignis von regionaler Bedeutung” (PHERC) auszurufen, und der WHO die Möglichkeit geben, einen “Zwischenalarm für die öffentliche Gesundheit” auszusprechen.

Zweitens erlauben sie der WHO, Behauptungen über ein öffentliches Gesundheitsereignis aus nicht-offiziellen Quellen zu prüfen, d. h. aus anderen Quellen als der Regierung des betroffenen Staates, und räumen dieser Regierung nur 24 Stunden ein, um die Behauptungen zu bestätigen und weitere 24 Stunden, um das Angebot der WHO zur “Zusammenarbeit” anzunehmen.

Zusammenarbeit” ist im Wesentlichen ein Euphemismus für eine Vor-Ort-Begutachtung durch WHO-Ermittlerteams und den damit einhergehenden Druck auf das WHO-Personal, potenziell weitreichende Maßnahmen zu ergreifen, wie z. B. Lockdowns, Bewegungseinschränkungen, Schulschließungen, Medikamenteneinnahme, Verabreichung von Impfstoffen und alle anderen sozialen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Maßnahmen, die wir mit dem Covid-Zirkus in Verbindung bringen.

Sollte die Regierung des Staates das “Angebot” der WHO nicht annehmen, ist die WHO befugt, die ihr vorliegenden Informationen an die anderen 194 WHO-Länder weiterzugeben, während sie weiterhin Druck auf den Staat ausübt, damit dieser der Aufforderung der WHO zur “Zusammenarbeit” nachkommt. Ein Land, das nicht mitarbeitet, würde Gefahr laufen, zum Paria zu werden.

Drittens enthält der Vorschlag ein neues Kapitel IV, das die Einrichtung eines “Compliance Committee” vorsieht, das sich aus sechs von der Regierung ernannten Experten aus jeder WHO-Region zusammensetzt und die Aufgabe hat, ständig zu überprüfen, ob die Mitgliedsstaaten die IHR-Vorschriften einhalten.

Die bestehende Formulierung der IHR wurde mehrfach gestrichen und neue Formulierungen hinzugefügt, aber das Ziel der von den USA angeführten Allianz ist eine WHO, die einseitig entscheiden kann, ob ein Problem vorliegt und was dagegen zu tun ist, und die Länder isolieren kann, die anderer Meinung sind.

Konforme WHO-Mitgliedsstaaten könnten durch die Verteilung ihrer eigenen Gesundheitsbudgets und ihrer “gesundheitsbezogenen” Politik, zu der auch Reise- und Handelsbeschränkungen gehören würden, bei der Isolierung unterstützend mitwirken. Die WHO würde zu einer Art Befehls- und Kontrollzentrum für globalistische Agenden werden und die Produkte der (westlichen) Big Pharma vorantreiben.

Warum und wie würde das funktionieren?

Wir haben in den vergangenen Jahren gelernt, warum es sinnvoll ist, dass die USA und ihre Verbündeten auf diesen Änderungen bestehen.

Die Herabsetzung der Hürde für die Erklärung einer globalen (oder regionalen) Bedrohung der öffentlichen Gesundheit bietet westlichen Pharmaunternehmen eine große Chance. Wie Rechtsexperten festgestellt haben: “Notfallerklärungen der WHO können die beschleunigte Entwicklung und den anschließenden weltweiten Vertrieb und die Verabreichung von nicht lizenzierten Prüfdiagnostika, Therapeutika und Impfstoffen auslösen.

Dies geschieht über das EULP-Verfahren (Emergency Use Listing Procedure) der WHO. Vor allem die Einführung eines ‘Zwischenalarms für die öffentliche Gesundheit’ wird der Pharmaindustrie einen weiteren Anreiz bieten, nationale Schnellversuchsprotokolle für Notfälle zu aktivieren und Vereinbarungen mit Regierungen über den Kauf, die Herstellung und die Bevorratung von Arzneimitteln zu treffen, bevor eine konkrete Gesundheitsbedrohung für die Weltbevölkerung festgestellt wurde, wie dies bereits im Rahmen des EULP-Verfahrens der WHO über die für eine ‘Vorphase des öffentlichen Gesundheitsnotstands’ entwickelten Verfahren der Fall ist.”

Sie können darauf wetten, dass die “Expertenteams” der WHO, die unter dem Banner der “Zusammenarbeit” mit dem Gastland, in dem das Gesundheitsereignis auftritt, entsandt werden, um vor Ort Bewertungen vorzunehmen, vollgestopft sein werden mit Mitarbeitern der CDC und wer weiß, welchen anderen westlichen Agenturen, die alle in potenziell sensiblen Einrichtungen herumstochern, die die Regierung des Gastlandes berechtigterweise für sich behalten möchte. Ähnlich verhält es sich mit dem von den USA im Rahmen des neuen Kapitels IV der IHR vorgeschlagenen “Einhaltungsausschuss”: Seine von der Regierung ernannten Mitglieder haben einen unbefristeten, im Völkerrecht verankerten Auftrag, sich einzumischen.

Vereinfacht ausgedrückt, würde die WHO zu einem internationalen Schlägertrupp umfunktioniert, wobei ihre Mitgliedstaaten die Rolle von Hinterhof-Gangmitgliedern übernehmen könnten.

Als Bonus für die westlichen Eliten sind die Vorschläge eine heimtückische Form der Umschreibung der Geschichte. Durch die Zementierung der Autorität einer internationalen Organisation, die über das Vorhandensein von Krisen im Bereich der öffentlichen Gesundheit entscheidet und potenziell drakonische Notfallmaßnahmen anordnet, würden die westlichen Regierungen ihre eigenen extremen Reaktionen auf den Ausbruch von Covid-19 festschreiben und legitimieren, wie wir bereits früher dargelegt haben. Ihr Hintern wäre damit vor rechtlichen Anfechtungen geschützt.

Die Verweigerer: Die Entwicklungsländer

Die Vorschläge wurden vor allem von westlichen Ländern vorangetrieben: Neben den USA sprachen sich auch Australien, das Vereinigte Königreich und die EU für die Verabschiedung aus. Der Widerstand wurde von den Entwicklungsländern angeführt, die darin einen kolonialistischen Überfall sahen, bei dem ihre Fähigkeit, die Politik zu bestimmen und auf Gesundheitsbedrohungen in einer Weise zu reagieren, die ihrer nationalen Situation entspricht, außer Kraft gesetzt würde.

Brasilien drohte Berichten zufolge sogar mit dem Austritt aus der WHO, und die afrikanische Gruppe von fast 50 Ländern sowie Indien argumentierten, dass die Änderungen ohne angemessene Konsultation im Eiltempo durchgesetzt würden. Auch Russland, China und der Iran erhoben Einwände.

Der erste Versuch ist gescheitert, aber die USA und ihre Verbündeten im Westen werden weitere Versuche unternehmen, um den Vorschlag durchzusetzen.

Warum können wir davon ausgehen, dass sie es wieder versuchen werden? Nun, wenn ein Vorschlag in einem riesigen bürokratischen Apparat wie der WHO stecken bleibt, besteht die unvermeidliche Reaktion darin, Ausschüsse einzurichten, die im Hintergrund arbeiten und mit neuen Vorschlägen zurückkommen, die auf einer künftigen Sitzung vorgelegt werden. Wie üblich werden eine “Arbeitsgruppe” und ein “Expertenausschuss” eingesetzt, die bis Ende September dieses Jahres Vorschläge der Mitgliedstaaten zur Reform der IHR entgegennehmen sollen. Diese werden gesichtet” und Berichte erstellt, die im Januar nächsten Jahres vom Exekutivrat der WHO geprüft werden sollen. Ziel ist es, neue Vorschläge auf den Tisch zu legen, wenn die WHA 2024 zum 77. Mal zusammentritt.

Nicht alles ist verloren

Die Tatsache, dass es der WHA nicht gelungen ist, einen Konsens zu ihrem wichtigsten Tagesordnungspunkt zu erzielen, hat den USA und ihren Verbündeten einen kleinen Sieg in der Frage beschert, wann sie es erneut versuchen können – auch wenn sie in ihrer Verzweiflung die eigenen Regeln der IHR verletzen mussten, um dies zu erreichen. Artikel 55 der IHR besagt unmissverständlich, dass für Änderungen eine viermonatige Ankündigungsfrist erforderlich ist.

In diesem Fall wurden die überarbeiteten Änderungsanträge am 24. Mai vorgelegt, also am selben Tag, an dem die erste Partie abgelehnt wurde. Diese wurden erörtert, am 27. Mai weiter abgeändert und dann am selben Tag angenommen. Mit den angenommenen Änderungen wird die Zweijahresfrist für das Inkrafttreten aller (weiteren) angenommenen Änderungen der IHR halbiert. (Die IHR, die 2007 in Kraft traten, wurden 2005 vereinbart – aber nach der neuen Resolution würde alles, was 2024 vereinbart wurde, erst 2025 und nicht 2026 in Kraft treten).

Doch was in Bezug auf die Beschleunigung des Inkrafttretens neuer Änderungen erreicht wurde, ging durch die Verlangsamung ihrer Umsetzung verloren. Die Staaten hätten bis zu 12 Monate Zeit – doppelt so viel wie die zuvor vorgeschlagenen sechs Monate -, um alle neu in Kraft getretenen Änderungen der IHR umzusetzen.

Stand der Dinge

Wohin führt das alles?

Wenn die WHO die Zügel in die Hand nimmt, wenn es darum geht, zu entscheiden, was eine Gesundheitskrise ist, und wenn sie jedes Land zu einer Reihe von Maßnahmen zwingen kann, die sie selbst festlegt, dann ist das schlimm genug. Aber was ist, wenn ihre Aufforderung zur “Zusammenarbeit” mit den Ländern mit Zähnen, wie Sanktionen gegen diejenigen, die sich weigern, untermauert wird? Und was ist, wenn sie dann die Definition von “öffentlicher Gesundheit” ausweitet, indem sie beispielsweise erklärt, dass der Klimawandel unter diese Definition fällt? Oder Rassismus? Oder die Diskriminierung von LBTQIA+ Menschen? Die Möglichkeiten, die sich dadurch für die Führung der Welt eröffnen, sind endlos.

Ein globales “Gesundheits”-Imperium würde der Menschheit großen Schaden zufügen, aber es wird mit viel Macht und Geld darauf gedrängt. Glauben Sie nicht, dass es nicht passieren kann.

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Brownstone Institut: https://brownstone.org/articles/who-wants-to-run-the-world/

Autoren

Paul Frijters ist Professor für Wellbeing Economics an der London School of Economics: von 2016 bis November 2019 am Center for Economic Performance, danach am Department of Social Policy

Gigi Foster, leitende Wissenschaftlerin des Brownstone Institute, ist Professorin an der School of Economics der University of New South Wales. Sie kam 2009 nach sechs Jahren an der University of South Australia zur UNSW.

Michael Baker hat einen BA-Abschluss (Wirtschaft) von der University of Western Australia. Er ist ein unabhängiger Wirtschaftsberater und freiberuflicher Journalist mit einem Hintergrund in der Politikforschung.

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