Offener Brief christlicher Führungspersönlichkeiten bezüglich der Einführung eines Impfpasses

An: Den Premierminister Boris Johnson

April, 2021

Sehr geehrter Herr Premierminister,

als christliche Leiter verschiedener Konfessionen beten wir in dieser Zeit weiterhin für Ihre Regierung “und alle, die in hohen Ämtern stehen, damit wir ein ruhiges und friedliches Leben in aller Frömmigkeit und Würde führen können” (1. Timotheus 2,2).

Wir schreiben Ihnen jedoch aufgrund einer Entwicklung, die uns sehr große Sorgen bereitet, nämlich der möglichen Einführung so genannter “Impfpässe” in unsere Gesellschaft, die auch als “COVID-Status-Zertifikate” und “Freiheitspässe” bezeichnet werden. Wir lehnen diesen Vorschlag strikt ab und möchten drei Punkte zu den möglichen Überlegungen zu einem derartigen System anführen.

Erstens: Die Impfung zur Grundlage dafür zu machen, ob jemandem der Zutritt zu einem Veranstaltungsort oder die Teilnahme an einer Aktivität gestattet wird, macht im Hinblick auf den Schutz anderer keinen logischen Sinn. Wenn die Impfstoffe hochwirksam sind, um schwere Krankheiten zu verhindern, wie die bisherigen Studienergebnisse zu belegen scheinen, dann haben diejenigen, die geimpft wurden, bereits einen Schutz erhalten; es gibt keinen Nutzen für sie, wenn andere Menschen geimpft werden. Da Impfstoffe eine Infektion nicht per se verhindern, könnte theoretisch sogar eine geimpfte Person das Virus in sich tragen und möglicherweise weitergeben.

Zweitens würde die Einführung von Impfpässen eine unethische Form der Nötigung darstellen und gegen den Grundsatz der aufgeklärten Einwilligung verstoßen. Die Menschen können aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage oder nicht willens sein, sich mit den derzeit verfügbaren Impfstoffen impfen zu lassen, darunter für einige Christen auch ernsthafte Gewissensfragen im Zusammenhang mit der Ethik der Impfstoffherstellung oder -prüfung. Wir laufen Gefahr, eine Zweiklassengesellschaft zu schaffen, eine medizinische Apartheid, in der eine Unterschicht von Menschen, die eine Impfung ablehnen, von wichtigen Bereichen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen wird. Es besteht auch die berechtigte Befürchtung, dass diese Regelung der Anfang vom Ende ist und zu einem Dauerzustand führt, in dem der COVID-Impfstatus auf andere Formen der medizinischen Behandlung und vielleicht sogar auf weitere Kriterien ausgedehnt werden könnte. Diese Regelung hat das Potenzial, das Ende der liberalen Demokratie, wie wir sie kennen, herbeizuführen und einen Überwachungsstaat zu schaffen, in dem die Regierung Technologien einsetzt, um bestimmte Aspekte des Lebens der Bürger zu kontrollieren. Damit ist dies einer der gefährlichsten politischen Vorschläge in der Geschichte der britischen Politik.

Abschließend möchten wir als christliche Führungspersönlichkeiten erklären, dass wir uns keine Umstände vorstellen können, unter denen wir unsere Türen für diejenigen schließen könnten, die keinen Impfpass, kein negatives Testzertifikat oder einen anderen “Gesundheitsnachweis” haben. Für die Kirche Jesu Christi wäre es ein Gräuel und eine Verleugnung der Wahrheit des Evangeliums, wenn sie diejenigen ausschließen würde, die vom Staat als sozial unerwünscht eingestuft werden. Die Botschaft, die wir verkünden, ist von Gott für alle Menschen gegeben und besteht in nichts anderem als dem freien Geschenk der Gnade, das in Jesus Christus angeboten wird, mit dem allgemeinen Aufruf zur Umkehr und zum Glauben an ihn. Den Menschen den Zugang zu dieser lebensspendenden Botschaft und zu diesem lebensspendenden Dienst zu verwehren, wäre ein fundamentaler Verrat an Christus und dem Evangelium. Aufrichtige christliche Kirchen und Organisationen könnten dies nicht tun, und als christliche Führer wären wir gezwungen, uns einem solchen Gesetz des Parlaments energisch zu widersetzen.

Wir verweisen auf die jüngste gerichtliche Überprüfung, in der das Verbot öffentlicher Gottesdienste durch die schottische Regierung gekippt wurde, was zeigt, dass eine solche unverhältnismäßige Verhinderung des Rechts auf Religionsausübung eine klare Verletzung von Artikel 9 der Europäischen Menschenrechtskonvention darstellt. Wir können nicht erkennen, wie ein Versuch, Menschen aufgrund eines Tests oder einer Nichtimpfung daran zu hindern, sich zum Gottesdienst zu versammeln, nicht in ähnlicher Weise als Verstoß gewertet würde. Wir stimmen mit den Mitgliedern des Parlaments überein, die sich bereits gegen diesen Vorschlag ausgesprochen haben: Es wäre spaltend, diskriminierend und destruktiv, eine solche obligatorische Gesundheitsbescheinigung in der britischen Gesellschaft einzuführen. Wir fordern die Regierung auf, nachdrücklich und klar zu versichern, dass sie diesen illiberalen und gefährlichen Plan nicht in Erwägung ziehen wird, nicht jetzt und auch nicht in Zukunft.

Mit freundlichen Grüßen,

  • Rev Dr William JU Philip, Minister, The Tron Church Glasgow, Scotland
  • Rev David Johnston, Minister Emeritus, Presbyterian Church in Ireland, Ireland
  • Rev Dr Jamie Franklin, Curate, Church of England, Nottingham, England
  • Rev A Paul Levy, Minister, Ealing International Presbyterian Church, London, England
  • Rev Mez McConnell, Senior Minister, Niddrie Community Church, Director of 20schemes, Director of A29 Church in Hard Places, Scotland
  • Mr Terence McCutcheon, Executive Director, Hope For Glasgow, Addiction Recovery Centre, Scotland

Liste aller 1815 Unterzeichner

Originalbrief

(Visited 939 times, 939 visits today)