Brief einer Lehrerin – für mehr Verständnis und Achtsamkeit in Corona-Zeiten

Mich erreichte vor einigen Tagen folgende Zuschrift einer Lehrerin einer weiterführenden Schule. Nach einem weiterführenden Mailaustausch bat ich darum, ihre Zeilen veröffentlichen zu dürfen, da ich diese als wertvoll empfand. Mit ihrer Erlaubnis veröffentliche ich ihren Brief an mich nun auf meinem Blog.

“Die folgenden Dinge schreibe ich dir mit der Bitte um Vertraulichkeit. Ich würde dir gerne rückmelden, wie ich die Situation erlebe und hoffe, dass meine Beschreibungen für dich ein wenig erhellend sein mögen.

Zu mir: Ich bin Ende 40, Lehrerin (Beamtin, im staatlichen Schuldienst) und von Anfang an coronakritisch. Jedoch kann ich meinen Beruf, den ich sehr liebe, nur weiter ausführen, indem ich ganz vieles erdulde, hinnehme und dabei auch gegen meine pädagogischen Prinzipien verstoße (Maskenpflicht, etc.). Dennoch habe ich mich dafür entschieden, weiter “im System” zu bleiben, weil ich sehr glücklich an meiner Schule bin und auch finanziell keine Alternativen für mich sehe. Es ist erschreckend zu sehen, wie sich meine Kollegen – die ich fast alle sehr schätze – vollkommen unkritisch in die Maßnahmenpolitik der Regierung(en) fügen. Andererseits leben sie aber auch in einer extremen Filterblase: Fast alle lesen nur Mainstream-Medien (allen voran die besonders Bildungsaffinen: sie werden ja von Spiegel, Zeit, Süddeutscher und Co. immer wieder einseitig informiert und manipuliert,  aber auch die Lokalzeitung hat in Lehrerkreisen immer noch einen großen Einfluss), kaum einer kennt alternative Medien bzw. unabhängige Blogger. Gerade das privilegierte Bürgertum – wir Lehrer – sind leider insgesamt sehr borniert und in alten Mustern gefangen (Obrigkeitsdenken, vorauseilender Gehorsam, Anpassungsdruck – die Psychologie des Lehrerberufs ist höchst interessant). Die Schulleitung ist zwar insgesamt, meiner Meinung nach, sehr gemäßigt und auch um Deeskalation bzw. Ausgleich mit den (wenigen) coronakritischen Familien, die aufmucken, bemüht; jedoch vermitteln auch sie natürlich weitgehend unkritisch die Notwendigkeit der Maßnahmen. Impfkritik war schon vor Corona ein heißes Thema, seitdem ist es noch viel schwieriger geworden. An meiner Schule sind wir bislang noch drei ungeimpfte Lehrer (von ca. 90). Drangsaliert werden wir jedoch nicht, müssen jetzt natürlich mit den Diskriminierungen leben. 

Seit Corona studiere ich aufmerksam die kollektiven Veränderungen in unserer Gesellschaft und vor allem in meiner Umgebung. Es ist natürlich fürchterlich, wie schnell totalitäres Regierungshandeln und mediale Beeinflussung zu einem weitreichenden Wegschauen, Wegducken, Verdrängen geführt hat. Das Totschweigen von Corona ist das, was mir persönlich an meiner Schule am meisten zu schaffen macht… Ich kann aber, wenn ich genau hinschaue, auch verstehen, wie es dazu kommt. Viele meiner Kollegen sind einfach mit der ganzen Situation überfordert. Unser Job war schon vor Corona nicht einfach, durch Homeschooling und die dauerhafte Unsicherheit (wir wissen ja nicht, ob bzw. wann der nächste Lockdown kommt) ist er noch schwieriger geworden. Viele Kinder sind durch die Lockdowns ziemlich “durch” und das sehen auch die meisten Lehrer, die ich kenne, sehr deutlich. Doch sie glauben nunmal, dass das alles sein  muss: Lockdowns, Maskenpflicht und jetzt natürlich auch die Impfungen. Wie sagte unser Direktor neulich: “Wir alle wünschen uns vor allem eines: Normalität.” Und im Narrativ der Mainstream-Medien gibt es erst dann Normalität, wenn alle durchgeimpft sind. Ja, ich weiß: Auch ohne alternative Quellen könnte man anfangen, Fragen zu stellen, so wie ich es von Anfang an getan habe. Doch durch die allgemeine Verunsicherung und den ständig wachsenden Stresspegel trauen sich viele Lehrer nicht, die Dinge kritisch zu hinterfragen – auch wenn es das ist, was wir ja unseren Schülern vermitteln wollen. Wenn ich in meinem Team mal ab und an – sehr vorsichtig – Kritisches äußere, gibt es meist ein irritiert-betretenes Schweigen und man wechselt schnellstmöglich das Thema. Tatsächlich spüre ich sehr wohl, dass einige merken, dass da gerade etwas ziemlich aus dem Ruder läuft und dass solche fürchterlichen Dinge wie die 2-G-Regelung Unrecht sind. Aber sie gehen über ihr Wahrheitsgefühl (nach Rudolf Steiner, aber das nur am Rande ;-)) hinweg, sie ertragen es nicht, mit ihrer eigenen Verantwortung/ Schuld konfrontiert zu werden. Jeder von ihnen ahnt, meiner Ansicht nach, dass auch das dauerhafte Maskentragen schädlich ist, aber es wäre unglaublich schwer, jetzt, nach 1,5 Jahren, die Stimme zu erheben. Und natürlich sind viele auch einfach zu bequem, hinzuschauen – das gibt es natürlich auch zuhauf.

Mit diesen Ausführungen wollte ich kurz skizzieren, wie es zu diesen fürchterlichen Normverschiebungen kommen konnte.

Tatsächlich bin ich der Meinung, dass wir nur durch den ABSOLUT gewaltfreien Widerstand etwas verändern können. Und mit gewaltfrei meine ich auch, dass auch wir Kritiker unbedingt auf unsere Sprache und unsere Handlungen achten müssen, selbst wenn es für uns sicher ungleich schwerer ist, ruhig zu bleiben. Nur wenn wir uns in die “Gegenseite” hineinversetzen und versuchen, ihre Handlungsweisen zu verstehen, können wir – in aller Ruhe – Impulse geben, die eine Veränderung bewirken. Sobald man Maßnahmenbefürworter mit der Fülle an Beweisen für unsere Sicht der Dinge konfrontiert, sind sie in der Regel überfordert und blocken innerlich ab. Diese psychologische Abwehr sieht man sehr häufig und sie hat nichts, aber auch gar nichts, mit dem Bildungsgrad einer Person zu tun. Im Gegenteil: Meine Kollegen sind in der Regel sehr kluge und gebildete Menschen, aber gerade sie neigen verstärkt zur Abwehr, weil sie eben so tief in dem Schlamassel drinstecken. Aber es gibt eben verschiedene Arten, zu kämpfen und ich bin überzeugt, dass wir Kritiker versuchen sollten, die Moral zu verkörpern, die wir von unserer Regierung einfordern. Je martialischer unser Auftreten ist, desto weniger Aussicht auf Erfolg haben wir… Nicht umsonst haben ein Gandhi und ein Mandela mehr Erfolg gehabt als die RAF… Gerade Mandelas versöhnliche Haltung gegenüber den Weißen hat verhindert, dass es in Südafrika zu einem Bürgerkrieg kam… Das ist natürlich jetzt grob vereinfacht, das ist mir schon klar. Wir brauchen unbedingt auch klare Positionen und kämpferische Menschen… Aber es gibt eben verschiedene Arten, zu kämpfen und ich bin überzeugt, dass wir Kritiker die Moral verkörpern müssen, die wir von unserer Regierung einfordern.  Es ist natürlich sehr schwer, gerade weil wir so viel erdulden müssen… Aber ich spüre auch, dass viele Kritiker eine sehr hohe Bewusstseinsentwicklung haben…

Nun noch kurz zu dem Punkt mit den Demos: Ich glaube, dass nur ein kleiner Teil der coronakritischen Menschen auf die Demos geht, aus den verschiedensten Gründen. Ich persönlich gehe nicht hin, weil ich weiß, dass ich mich damit vielen Gefahren aussetze: Diffamierung, Kontrolle durch die Dienstaufsicht, eventuelle Sanktionen… vor allem aber würde ich in den Augen meiner Kollegen meine Glaubwürdigkeit verlieren, denn auf die Demos gehen ja nur Aluhüte, Rechtsextreme oder sonstige Spinner. Hinzu kommt, dass ich mich schon immer auf Demos etwas unwohl gefühlt habe, denn es kommt ja immer wieder auch zu provokativem Verhalten von Demonstranten. Und ich mag es nicht, wenn die Stimmung sich aufheizt und dann beleidigende Äußerungen getätigt werden, gegen wen auch immer. Ich weiß natürlich, dass die überwiegende Mehrheit der Demonstranten friedfertig und besonnen ist, doch bin ich in dieser Hinsicht auch einfach sehr sensibel. Schon das Skandieren von Sprüchen löst in mir einen starken Widerwillen aus. Dennoch sind für mich friedliche Demonstrationen weiterhin ein sehr wichtiges Mittel, dem Unmut der Bevölkerung Ausdruck zu verleihen. Ich hoffe sehr, dass die Berichterstattung in den etablierten Medien bald differenzierter wird.

Ich leiste auf meine Art Widerstand. Und ich arbeite sehr viel daran, aufzuklären (in homöopathischen Dosen ;-)). Und vor allem: Ich möchte mit der “gegnerischen Seite” – auch das ist schon ein Begriff, der meines Erachtens zu sehr der Kriegssprache entstammt –  in Kontakt bleiben. Das Kollektiv ist gerade in einem sehr, sehr schwierigen Prozess. Und dennoch hat jeder Einzelne, auf beiden Seiten, eine ganz persönliche Wahrnehmung und ganz persönliche private Themen, die ihn oder sie belasten. Und wir brauchen Empathie, auch für die Menschen, die die Krise ganz anders wahrnehmen…

Meine Ausführungen können dir vielleicht helfen, die schlimmen Dinge, die gerade im Kollektiv geschehen, besser zu verstehen und einzuordnen. Das alles soll auch keine Entschuldigung sein, aber eben ein Erklärungsansatz.

Ich danke dir nochmal für dein großes Engagement.

Herzliche Grüße”

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