Besteht Demokratie immer daraus, alle vier Jahre zwischen ein paar Parteien wählen zu können, ohne genau zu wissen, inwiefern (ab)gegebene Wahlversprechen eingehalten werden? Gibt es neben dem immer wiederkehrenden Ritual von Parteienwahlkampf und anschließendem Gang zur Urne auch andere Wege, um den Willen der Bevölkerung in den Parlamenten zu repräsentieren?

Der freie Journalist und Autor Timo Rieg gehört zu denjenigen, die sich für Alternativen zum Bekannten einsetzen. In seinem Buch “Demokratie für Deutschland: Von unwählbaren Parteien und einer echten Alternative”, welches 2013 – also vor Entstehung der AfD – herauskam, beschreibt er Grundlagen und mögliche Umsetzungswege einer aleatorischen Demokratie. Rieg definiert diese auf seiner Webseite so : “Aleatorische Demokratie ist eine Form direkter und zugleich repräsentativer Selbstbestimmung einer autonomiefähigen Gruppe, klassischerweise also eines ‘Staatsvolkes‘. Im Gegensatz zur repräsentativen (Parteien-)Demokratie werden Stellvertreter der Gesamtheit nicht per Wahl, sondern per Auslosung bestimmt.”

Eine selten erörterte aber immens wichtige Kernfrage in demokratischen Prozessen lautet Timo Rieg zufolge Wer will was von wem wozu wie warum?In unserem Gespräch beschreibt er, wie Entscheidungsfindungen, die auf Losverfahren basieren, aussehen und begleitet werden können und wo sie in unserer Gesellschaft Anwendung finden könnten. Er schöpft dabei aus viel praktischer Erfahrung, sowohl aus der Beteiligung an sogenannten Planungszellen, als auch aus der Arbeit mit Jugendlichen. Diese entwickelten viel Begeisterung und Engagement für das Mitgestalten, wenn sie mitentscheiden dürfen.

In unserem ersten Gespräch vom Mai 2023 ging es um Qualitätsdefizite im Corona-Journalismus. Auch dieses Mal sprechen wir über die Schnittstelle zwischen der Informiertheit des Bürgers, die stark durch Medien und journalistische Veröffentlichungen geprägt ist, und seinen politischen Entscheidungen. Denn auch bei mittels Losverfahren ermittelten Parlamenten oder Räten kommt es Timo Rieg zufolge stark darauf an, ob die teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger ausgewogen und vor allem objektiv informiert sind.

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