2017: Widerstand gegen Gates-Stiftung bei Weltgesundheitsorganisation

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Bildquelle: Wikipedia

Anmerkung Bastian Barucker: Ich habe in den letzten 18 Monaten so viele offene Briefe übersetzt und veröffentlicht wie noch nie. Meistens sind darin wichtige Informationen enthalten, die auf Fehlentwicklungen hinweisen. Oft sind sie von Menschen verfasst, die ein echtes , nicht Profit getriebenes Anliegen verfolgen und die Öffentlichkeit darüber informieren wollen. Dieser offene Brief stammt aus dem Januar 2017 und wurde von 40 der WHO nahe stehenden Personen unterzeichnet. Er macht darauf aufmerksam, dass die Bill & Melinda Gates Stiftung, trotz erheblicher Interessenkonflikte, in offizielle Beziehung mit der WHO treten wird. Die unterzeichnenden Verantwortlichen äußern starke Bedenken und erachten den Beitritt der Stiftung als nicht stimmberechtigtes Mitglied als eine “Verhöhnung der Interessenkonflikt-Schutzmaßnahmen, die den neuen “Rahmen für die Zusammenarbeit mit nichtstaatlichen Akteuren (FENSA)” untermauern soll.” Damals wie heute sind es nur einige wenige, die den Mut aufbringen auf Missstände öffentlich hinzuweisen. Durch die fragwürdige Rolle der WHO und den starken Einfluss von Bill Gates im Pandemiegeschehen scheinen die Verfasser des Briefes mit ihrer Sorge recht zu behalten. Sehr passend dazu ist der Film “Trust WHO” von Lilian Franck. Ein Interview mit ihr zu ihrem Film ist hier zu sehen.

Offener Brief an den Exekutivrat der Weltgesundheitsorganisation;

Januar 2017

Sehr geehrte Mitglieder des Exekutivrats,

Antwort auf: „Die Schutzmaßnahmen bei Interessenkonflikten sind viel zu schwach, um die WHO vor dem Einfluss der regulierten Industrien zu schützen (der Fall der Bill & Melinda Gates Stiftung)“

Bei all dem Getue der Weltgesundheitsorganisation um Schutzmaßnahmen bei Interessenkonflikten und Sorgfaltspflicht in ihrem neuen Ansatz zur Zusammenarbeit mit nichtstaatlichen Akteuren in ihren kürzlich überarbeiteten “Grundlagendokumenten”, beendete die WHO die Spekulationen über ihren zweideutigen Plan. Sie schlug nämlich vor, die Bill & Melinda Gates Stiftung in “Offizielle Beziehungen” mit der WHO und als nicht stimmberechtigtes Mitglied ihres Leitungsgremiums, der Weltgesundheitsversammlung aufzunehmen.

Nach Angaben der Kommission für Wertpapiere und Börsen der US-Regierung ist die Bill & Melinda Gates Stiftungsvermögen – die Einnahmequelle der Stiftung in großem Umfang in viele Produkte investiert, die im Zusammenhang mit Lebensmitteln, Alkohol und körperlicher Inaktivität stehen und die aktuelle Krise der vermeidbaren Herzkrankheiten, Schlaganfälle, Krebs und Diabetes verursachen oder behandeln.

Zu den Direktinvestitionen des Stiftungsvermögens gehören:

Coca-Cola, ein regionales Unternehmen, das auf dem amerikanischen Kontinent südlich der USA tätig ist (466 Millionen), Walmart (837 Millionen Dollar), der größte Lebensmitteleinzelhändler in den USA und ein führender Einzelhändler von Arzneimitteln und alkoholischen Getränken,

Walgreen-Boots Alliance (280 Mio. USD), ein großer multinationaler Einzelhändler für pharmazeutische Arzneimittel und zwei der größten Fernsehgesellschaften der Welt (Bildschirmzeit): Televisa-Gruppe (433 Mio. USD) und Liberty Global PLC (221 Mio. USD).

Darüber hinaus ist etwa ein Viertel des Stiftungsvernögen in Berkshire Hathaway Inc. investiert, einer Holdinggesellschaft, die einen Anteil von 17 Mrd. USD an der Coca-Cola AG mit Sitz in den USA hat und eine Beteiligung von 29 Milliarden US-Dollar an Kraft Heinz Inc. einem der zehn größten Lebensmittelunternehmen der Welt. Diese Investitionen machen die Gates-Stiftung zu einem Nutznießer der Verkäufe mehrerer Produktkategorien, die Gegenstand von WHO Standards und Empfehlungen für Regierungen in Bezug auf Ernährung und körperliche Betätigung sind.

Es ist besorgniserregend, dass diese Interessenkonflikte in der Datenbank der finanziellen Beitragszahler im WHO-Haushalt nicht erwähnt werden. In der WHO-Haushaltsdatenbank (in der lediglich vermerkt ist, dass die Gates-Stiftung einen Beitrag von 629 Millionen Dollar zum 4,5 Milliarden Dollar schweren Zweijahreshaushalt der WHO beigetragen hat) oder im WHO-Register der nichtstaatlichen Akteuren (in dem nur vermerkt ist, dass die Stiftung “Beziehungen zu ausgewählten Mitgliedern der pharmazeutischen…[und] Lebensmittel- und Getränkeindustrie” hat).

Die Unterfinanzierung der WHO durch die Mitgliedstaaten untergräbt ihre Fähigkeit, ihre wichtige Arbeit im Bereich der globalen öffentlichen Gesundheit zu leisten, die besonders für Länder mit niedrigem und mittlerem Ländern mit begrenzten lokalen gesundheitspolitischen Kapazitäten besonders wichtig ist. Ausgleich der Haushaltsdefizite der WHO mit Geldern von Großinvestoren in Lebensmittel-, Arzneimittel- und Alkoholkonzernen (die ihren Sitz häufig in reichen Ländern haben), gefährdet die Unabhängigkeit der WHO weiter.

Die Gewährung des Status “Offizielle Beziehungen” an die Gates-Stiftung bedeutet eine deutliche Abkehr von der Tradition der Weltgesundheitsversammlung nach dem Zweiten Weltkrieg und verhöhnt die Interessenkonflikt-Schutzmaßnahmen, die den neuen “Rahmen für die Zusammenarbeit mit nichtstaatlichen Akteuren (FENSA)” untermauern soll.

Wir fordern den Exekutivausschuss dringend auf, die Entscheidung über die Aufnahme der Gates Stiftung und alle anderen neuen und alten Antragsteller für den Status “Offizielle Beziehungen”, für die es keine Interessenkonflikt-Schutzmaßnahmen für die Mitgliedstaaten des Exekutivrats gibt zu prüfen. Unter dem Gesichtspunkt der Kontrolle ist es natürlich höchst beunruhigend, dass das Exekutivdirektorium aufgefordert wird, Bewerber für offizielle Beziehungen zu genehmigen und die Einhaltung der Schutzklauseln bei Interessenkonflikten zu überprüfen, ohne dass ihm irgendwelche relevante Beweise – ob verifiziert oder anderweitig – öffentlich zugänglich sind.

Hochachtungsvoll eingereicht von den unterzeichnenden Gruppen für öffentliches Interesse, Gesundheit und Bürgerrechte,

Unterzeicherìnnen:

Dr. Patrick Y. Kadama, Dir, Policy & Strategy African Centre for Global Health & Social Transformation (ACHEST) (Uganda)

Bruce Lee Livingston, Executive Director/CEO Alcohol Justice (USA)

Hacene Hamdani, President du reseau, Algerian Network of Small-Scale Fishing Org. (Algeria) [signature forthcoming]

Beverley A Lawrence Beech, Hon. Chair Association for Improvements in the Maternity Services (AIMS) (United Kingdom)

Patti Rundall, OBE, Policy Director Baby Milk Action (United Kingdom)

Jörg Schaaber BUKO Pharma-Kampagne (Germany)

Rev. Dr Cornelia Füllkrug-Weitzel, President Bread for the World Germany

Bill Jeffery, BA, LLB Centre for Health Science and Law (Canada) [

Radhika Balakrishnan, PhD, Faculty Director c/o Center for Women’s Global Leadership, State University of New Jersey

Dr Gopal Dabade, President Drug Action Forum (India)

Sofía Monsalve Secretary General FIAN International (Global, Germany)

Michael Thorn, Chief Executive Foundation for Alcohol Research and Education (FARE) (Australia)

Zaneta Geltz, President/founder Happy Evolution Global Association (Poland) [

Nicoletta Dentico, Co-director Health Innovation in Practice (HIP), (Global, Switzerland)

Joseph Schechla, HLRN, Coordinator Housing and Land Rights Network Habitat International Coalition

Dr. Katherine Irene Pettus, PhD, OSB Int’l Assn. for Hospice and Palliative Care (Global, USA)

Dr Arun Gupta, Central Coord. BPNI, Reg’l Coord Int’l Baby Food Action Network (IBFAN-Asia)

Marina Rea International Baby Food Action Network (IBFAN) (Brasil)

Annelize van Elk, Director International Code Documentation Centre (Global, The Netherlands)

Judith Hitchman, President International Community Supported Agriculture Network (URGENCI) (France)

Mr Anaru Fraser, LLB, Int’l Field Rep. International Indian Treaty Council (Oceania Region)

Elisabeth Sterken, MSc, Dt., Director INFACT Canada and Infant Baby Food Action Network IBFAN (Global, Canada)

Dr. Mira Shiva, Coordinator Initiative for Health & Equity in Society (India) [

Namusobya Salima, Executive Director Initiative for Social and Economic Rights (ISER) (Uganda)

Kristina Sperkova, Int’l President IOGT International (Sweden)

Jill Dye, IBCLC Deputy Chair Lactation Consultants of Great Britain (United Kingdom)

Thomas Gebauer, Executive Director Medico International (Germany)

Thomas Schwarz, Executive Secretary Medicus Mundi Int’l Network Health for All (Global, Switzerland)

Ms. Lizzy Igbine, National President Nigerian Women Agro Allied Farmers Assn. (Nigeria)

Claudio Schuftan People’s Health Movement (Global)

Radha Holla Bhar Public Health Resource Network (India)

Gopa Kumar Third World Network (India)

Stefano Prato, Managing Director Society for International Development (SID) (Italy/Kenya)

Fiona Dove, Director Transnational Institute (TNI) (The Netherlands)

Simon Capewell, MD, DSc c/o University of Liverpool, Dept. of Public Health & Policy, Inst. of Psychology, Health & Society (United Kingdom)

Micheline Beaudry, Ph.D., retired professor of Public Nutrition c/o Université Laval and former director of nutrition at UNICEF Global HQ (Canada)

Mariska Meurs Wemos (The Netherlands)

Margaret Miller APD, AN Professional Affairs Secretary World Public Health Nutrition Assn. (Global, United Kingdom)

Quelle: https://healthscienceandlaw.ca/wp-content/uploads/2017/01/Public-Interest-Position.WHO_.FENSAGates.Jan2017.pdf

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