Über die Psychologie des Verschwörungsleugners

Ein genauerer Blick auf jene Leute, die für Verschwörungstheorien nur Spott übrig haben.

Autor: Tim Foyle, Quelle: https://off-guardian.org/2021/03/12/on-the-psychology-of-the-conspiracy-denier

Übersetzung: ein Freund

Warum sträuben sich ansonsten vollkommen intelligente, nachdenkliche und rational denkende Menschen gegen die Behauptung, Soziopathen würden sich verschwören, um sie zu manipulieren und zu täuschen? Und warum verteidigen sie diese unbegründete Position mit solcher Vehemenz?

Die Geschichte der Menschheit ist voller Machenschaften von Lügnern, Dieben, Tyrannen und Narzissten sowie voll von den sich daraus ergebenden verheerenden Auswirkungen. Auch in der heutigen Zeit gibt es viele Beweise für Korruption und außergewöhnliche Täuschungen. Wir wissen ohne Zweifel, dass viele Politiker lügen und ihre Verbindungen verbergen und dass zahlreiche Unternehmen routinemäßig eine völlige Verachtung für moralische Normen an den Tag legen – wir wissen, dass Korruption uns umgibt.

Wir wissen, dass die Drehtüren zwischen Unternehmen und Politik, das Lobbysystem, korrupte Aufsichtsbehörden, die Verhasstheit von Medien und der Justiz nur sehr selten dazu führen, dass Fehlverhalten gesühnt werden muss. Wir wissen, dass die Presse gelegentlich Lärm um diese Dinge macht, sie aber nie mit echtem Nachdruck verfolgt. Wir wissen, dass in den Geheimdiensten und bei den Strafverfolgungsbehörden Fehlverhalten in atemberaubendem Ausmaß an der Tagesordnung ist und dass auch hier nie Gerechtigkeit geübt wird. Wir wissen, dass immer wieder Regierungen die Rechte des Volkes ignorieren oder mit Füßen treten, dass sie das eigene Volk aktiv missbrauchen und misshandeln. Nichts davon ist wirklich umstritten.

Was genau ist es also, das die Verschwörungsleugner mit solcher Inbrunst, Rechtschaffenheit und Herablassung nicht anerkennen wollen? Warum verteidigen sie gegen alle Beweise geradezu höhnisch und verächtlich die bröckelnde Illusion, dass „die Großen und Guten” irgendwo da oben sitzen und alles im Griff haben, dass sie nur unser Bestes im Sinn haben, Skrupel besitzen sowie weise und aufrichtig sind? Warum verteidigen sie die bröckelnde Illusion, dass die Presse dem Volk und der Wahrheit dient und nicht den Gaunern? Dass eine Ungerechtigkeit nach der anderen aus Fehlern und Versehen resultiert, aber niemals aus Verschwörung?

Welcher vernünftige Mensch würde freiwillig in einer solchen Fantasiewelt leben?

Der Streitpunkt liegt hier nur in der Frage des Ausmaßes. Jemand, der wirklich neugierig auf die Pläne von mit Macht ausgestatteten Soziopathen ist, wird den Umfang seiner Neugier nicht auf z.B. einen Konzern oder eine Nation beschränken. Warum sollten sie auch? Eine solche Person geht vernünftigerweise davon aus, dass die Muster, die sich an einem Ort zeigen, wahrscheinlich auch in der gesamten Nahrungskette der Macht zu finden sind. Doch der Verschwörungsleugner besteht darauf, dass dies absurd ist.

Warum denkt er so?

Es ist schmerzlich offensichtlich, dass die pyramidalen gesellschaftlichen und rechtlichen Strukturen, die die Menschheit hat entstehen lassen, genau die Art von Dominanzhierarchien darstellen, die Soziopathen begünstigen. Ein menschliches Wesen, das mit einer normalen und gesunden kooperativen Denkweise operiert, hat wenig Neigung, sich an den Kämpfen zu beteiligen, die notwendig sind, um eine unternehmerische oder politische Leiter zu erklimmen.

Was also stellen sich die Verschwörungsleugner vor, was die mindestens 70 Millionen    Soziopathen auf dieser Welt den ganzen Tag tun? Die Soziopathen wurden in ein “Spiel” hineingeboren, in dem der ganze Reichtum und die Macht an der Spitze der Pyramide liegen, während die effektivsten Attribute zum “Gewinnen” Rücksichtslosigkeit und Amoralität sind? Haben die Verschwörungsleugner noch nie Monopoly gespielt?

Soziopathen wählen ihre Weltsicht nicht bewusst und sind einfach nicht in der Lage zu verstehen, warum normale Menschen sich selbst in einen schier unglaublichen Nachteil bringen, indem sie sich mit Gewissenhaftigkeit und Empathie einschränken.

Um in diesem Spiel zu gewinnen, muss der Soziopath nur öffentlich lügen, während er privat konspiriert. Was könnte einfacher sein? Sich weiterhin vorzustellen, dass die Welt, in der wir leben, nicht größtenteils von dieser Dynamik angetrieben wird, grenzt im Jahr 2021 an rücksichtslose Naivität, ja, grenzt an Irrsinn. Woher kommt ein solch ungewollt destruktiver Impuls?

Das Kleinkind setzt ein angeborenes Vertrauen in die Menschen, mit denen es zusammen ist – ein Vertrauen, das in den meisten Fällen gerechtfertigt ist. Anders könnte der Säugling nicht überleben.

In einer vernünftigen und gesunden Gesellschaft würde sich dieser tiefe Instinkt zusammen mit der Psyche weiterentwickeln. Während sich im Individuum das Selbstbewusstsein, die kognitiven und logischen Fähigkeiten und der Skeptizismus entwickeln, würde dieser angeborene Vertrauensimpuls weiterhin als ein zentrales Bedürfnis der Psyche verstanden werden. In solch einer idealen Gesellschaft würden kollektive Glaubenssysteme existieren, die darauf zielen, diesen kindlichen Impuls bewusst weiterzuentwickeln, um dieses Vertrauen irgendwo bewusst zu platzieren – in Werte und Überzeugungen von dauerhafter Bedeutung und Wert für die Gesellschaft, das Individuum oder idealerweise für beide.

Ehrfurcht und Respekt vor der Tradition, den Naturkräften, den Vorfahren, vor der Vernunft, der Wahrheit, der Schönheit, der Freiheit, dem angeborenen Wert des Lebens oder dem Schöpfergeist aller Dinge könnten als gültige Ruhepunkte betrachtet werden, in die wir unser Vertrauen und unseren Glauben bewusst setzen – ebenso wie diejenigen Ruhepunkte, die aus formalisierteren Glaubenssystemen abgeleitet sind.

Ungeachtet des jeweils individuellen Wegs, der eingeschlagen wird, um das eigene Vertrauen zu entwickeln, ist das Abgleichen des eigenen Bewusstseins und der eigenen Wahrnehmung mit diesem angeborenen Impuls von großer Wichtigkeit. Ich glaube, dass dies eine tiefe Verantwortung ist – ein reifes Vertrauen zu entwickeln und zu kultivieren –, eine Verantwortung, der sich viele Menschen verständlicherweise nicht bewusst sind.

Was passiert, wenn es ein kindliches Bedürfnis in uns gibt, das sich nie über seine ursprüngliche Überlebensfunktion hinaus entwickelt hat, nämlich denjenigen Menschen in unserer Umgebung zu vertrauen, die am mächtigsten, am präsentesten und aktivsten sind? Was passiert, wenn wir unsere eigene Psyche nie wirklich erforschen und nie tief hinterfragen, wem wir wirklich vertrauen und warum? Wenn unsere Motivation, etwas oder jemandem zu vertrauen, unhinterfragt bleibt? Was passiert, wenn die Philosophie den Philosophen überlassen wird?

Ich möchte hier vorschlagen, dass die Antwort relativ simpel ist und dass der Beweis für dieses Phänomen und die Verwüstung, die es anrichtet, überall um uns herum zu finden sind: Der angeborene Impuls, der Mutter zu vertrauen, entwickelt sich nie weiter, trifft nie auf sein Gegengewicht der Vernunft (beziehungsweise des gereiften Vertrauens), um sich mit diesem auseinanderzusetzen, sondern bleibt für immer auf seiner ursprünglichen “Standardeinstellung” als Kind.

Während die unreife Psyche für ihr Wohlergehen irgendwann nicht mehr von den Eltern abhängt, bleibt der mächtige und motivierende Grundgedanke, den ich beschrieben habe, intakt, unangefochten, unhinterfragt und unentwickelt. Und in einer Welt, in der Stabilität und Sicherheit nur noch eine ferne Erinnerung sind, bleiben diese Überlebensinstinkte, anstatt gut ausgeprägt, reflektiert, relevant, anspruchsvoll und aktuell zu sein, im wahrsten Sinne des Wortes die Instinkte eines Babys. Man vertraut auf die größte, lauteste, präsenteste und unbestreitbarste Kraft, denn der Instinkt sagt, dass das eigene Überleben vom Vertrauen darein abhängt. Und in diesem großen “Weltkindergarten” ist die allgegenwärtigste Kraft eben das Netzwerk jener Institutionen, die ohne Unterlass ein unverdientes Image aus Macht, Ruhe, Kompetenz, Besorgnis und Stabilität ausstrahlen.

Meiner Ansicht nach ist dies der Grund, warum sich Verschwörungsleugner an die völlig unlogische Fantasie klammern – und sie gegebenenfalls aggressiv verteidigen können –, dass oberhalb einer bestimmten, nicht definierten Ebene der gesellschaftlichen Hierarchie Korruption, Betrug, Bösartigkeit und Narzissmus einfach auf mysteriöse Weise verdampfen. Entgegen einer allgemein anerkannten Maxime klammern sie sich an die Fantasie, dass je mehr Macht eine Person hat, sie umso mehr Integrität an den Tag legen wird. Diese armen, verblendeten Seelen glauben im Wesentlichen, dass dort, wo persönliche Erfahrung und Vorwissen die Lücken in ihrer Weltsicht nicht ausfüllen können – wo gewissermaßen eine verriegelte Tür ist –, Mami und Papi dahinterstehen und sich Gedanken darüber machen, wie sie am besten sicherstellen können, dass es ihrem kleinen Schatz für immer gut geht, dass er glücklich und sicher ist.

Dies ist der Kern, die tröstliche Illusion an der Wurzel der Denkweise von Verschwörungsleugnern. Es ist das verfallene Fundament, auf dem sie eine turmhohe Burg der Rechtfertigung errichten, von der aus sie all diejenigen, die die Dinge anders sehen, verhöhnen und verspotten.

Das erklärt obendrein, warum der Verschwörungsleugner jede Andeutung, dass der betreuende Archetyp nicht mehr vorhanden ist – ja, dass hinter der verriegelten Tür stattdessen vielleicht Soziopathen sind, die uns alle mit äußerster Verachtung behandeln oder uns völlig missachten –, angreifen wird. Der Verschwörungsleugner wird jede derartige Andeutung so vehement angreifen, als ob sein Überleben davon abhinge – was es in der Verfasstheit seiner unbewussten und prekären Psyche in gewisser Weise auch tut. Ihr Gefühl des Wohlbefindens, der Sicherheit, des Komforts, sogar von einer Zukunft überhaupt haben solche Leute vollständig – und völlig unbewusst – in diese Fantasie investiert. Der Säugling in ihnen ist nie gereift, und weil sie sich dessen nicht bewusst sind – wirklich bewusst ist ihnen wohl nur die Besorgnis um ihre persönliche Sicherheit –, werden sie jede Bedrohung dieses unbewussten aber gleichwohl zentralen Aspekts ihres Weltbilds auf das Heftigste angreifen.

Der ermüdend häufige Refrain der Verschwörungsleugner lautet: “Eine so große Verschwörung kann es nicht geben”. Die einfache Erwiderung an solche selbsternannten Experten für Verschwörungen lautet offensichtlich: “Wie groß?“

Die größten “medizinischen” Konzerne der Welt können jahrzehntelang die Beilegung von Gerichtsprozessen als bloße Geschäftskosten behandeln, für Verbrechen, die von der Unterdrückung unerwünschter Testergebnisse über mehrfache Morde infolge nicht deklarierter Tests bis hin zu gigantischen Umweltverbrechen reichen. Regierungen führen die abscheulichsten und undenkbarsten verbrecherischen “Experimente” an der eigenen Bevölkerung durch, ohne dass dies Konsequenzen hat. Politiker lügen uns gewohnheitsmäßig ins Gesicht – ohne Konsequenzen. Und so weiter und so fort. An welchem Punkt genau wird eine Verschwörung so groß, dass “sie” einfach nicht mehr damit durchkommen, und warum? Ich vermute, dies ist der Punkt, an dem die kognitiven Fähigkeiten der Verschwörungsleugner nachlassen und ihr unbewusster Überlebensinstinkt einsetzt. Der Punkt, an dem der Intellekt von der Tragweite der Ereignisse überwältigt wird und der Instinkt sich in den vertrauten, tröstlichen Glauben zurückzieht, den man seit dem ersten Moment kennt und kultiviert, als die eigenen Lippen die Brustwarze fanden. Es ist der Glaube, dass sich jemand anderes darum kümmert – dass dort, wo uns die Welt unbekannt wird, eine mächtige und wohlwollende menschliche Autorität existiert, in die wir nur bedingungslos unser Vertrauen setzen müssen, um ewige emotionale Sicherheit zu erlangen. Diese gefährliche Wahnvorstellung könnte der zentrale Faktor sein, der die physische Sicherheit und die Zukunft der Menschheit in die Hände von Soziopathen legt.

An alle, die die Angewohnheit haben, Menschen, die fragend, forschend und skeptisch sind, als Aluhut-tragende, paranoide, die Wissenschaft verleugnende Trump-Anhänger abzutun, möchte ich die folgenden Fragen richten: Woran glauben Sie? In was haben Sie Ihren Glauben gesetzt und warum? Wie kommt es, dass, während niemand den Regierungen vertraut, Sie scheinbar den aufstrebenden Global-Governance-Organisationen ohne Frage vertrauen? Wie rational ist das?

Wenn Sie solchen Organisationen Ihr Vertrauen schenken, bedenken Sie, dass diese Organisationen, so außerordentlich gut sie sich auch präsentieren, im modernen globalen Zeitalter einfach größere Manifestationen der lokalen Versionen sind, von denen wir wissen, dass wir ihnen nicht trauen können. Sie sind nicht unsere Eltern und sie zeigen keine Loyalität gegenüber humanen Werten. Es gibt keinen Grund, irgendeinem von ihnen den geringsten Glauben zu schenken.

Wenn Sie keinen bewussten Glauben entwickelt haben oder nie tiefgründig hinterfragt haben, warum Sie so glauben, wie Sie es tun, mag eine solche Position menschenfeindlich erscheinen, aber in Wahrheit ist sie das Gegenteil. Diese Organisationen haben Ihr Vertrauen mit nichts anderem als PR-Geld und Hochglanzlügen verdient. Die wahre Macht liegt, wie immer, beim Volk.

Es gibt einen Grund, warum Buddhisten nachdrücklich dazu raten, sein Vertrauen in den Dharma oder das Naturgesetz des Lebens zu setzen und nicht in Personen, und dass ähnliche Sprüche in anderen Glaubenssystemen üblich sind: Macht korrumpiert. Tatsächlich könnte in der heutigen Welt unangebrachtes und unbegründetes Vertrauen eine der größten Machtquellen sein, die es gibt.

Massive kriminelle Verschwörungen existieren. Die Beweislage dafür ist überwältigend. Das Ausmaß der Verschwörungen, die derzeit im Gange sind, ist freilich nicht bekannt, aber es gibt keinen Grund, sich vorzustellen, dass im neuen globalen Zeitalter das soziopathische Streben nach Macht oder der Besitz der Ressourcen, die für den Weg zur Macht benötigt werden, abnimmt. Sicherlich nicht, solange abweichende Meinungen von Gatekeepern [“Pförtner“ im Sinne von “Informationsregulator“, “Meinungswächter“], “nützlichen Idioten” und Verschwörungsleugnern verhöhnt und zensiert werden – von Leuten also, die durch ihre unerbittlichen Angriffe auf diejenigen, die ein Licht auf Missstände werfen wollen, in Wirklichkeit direkt mit der soziopathischen Agenda zusammenarbeiten.

Es liegt in der dringenden Verantwortung eines jeden menschlichen Wesens, soziopathische Agenden aufzudecken, wo immer sie existieren – und niemals diejenigen anzugreifen, die versuchen, dies zu tun.

Es ist heute mehr denn je an der Zeit, kindische Dinge und kindliche Impulse beiseitezulegen und als Erwachsene aufzustehen, um die Zukunft der tatsächlichen Kinder zu schützen, die keine andere Wahl haben, als uns ihr Leben anzuvertrauen.

Dieser Aufsatz hat sich auf das konzentriert, was ich für den tiefsten psychologischen Antrieb der Verschwörungsleugnung halte. Es gibt sicherlich noch andere Antriebe, wie etwa der Wunsch, akzeptiert zu werden; die Vermeidung von Wissen über und die Auseinandersetzung mit dem inneren und äußeren Schatten; die Bewahrung eines positiven und gerechten Selbstbildes; eine verallgemeinerte Version des “Flying Monkey”-Phänomens [Als Flying Monkeys werden Personen bezeichnet, die sich als die verlängerte Arme von Narzissten betätigen, indem sie diesen helfen, Dritte zu schädigen], bei dem eine eigennützige und bösartige Menge sich selbst zu schützen trachtet, indem sie sich um den Tyrannen schart; die subtile, unbewusste Übernahme der soziopathischen Weltsicht (z. B. “die Menschheit ist der Virus”); Empörungssucht/Überlegenheitskomplex/Statusspiele; ein verkümmerter oder wenig ehrgeiziger Intellekt, der seine Bestätigung in der Aufrechterhaltung des Status quo findet; der dissoziative Schutzmechanismus der Vorstellung, dass Verbrechen und Schrecken, die wiederholt zu unseren Lebzeiten begangen werden, irgendwie nicht jetzt, nicht “hier”, passieren; und ganz einfach die altmodische Faulheit und Feigheit.

Meine Vermutung ist, dass alle diese Faktoren bis zu einem gewissen Grad auf dem Fundament der Hauptursache aufbauen, die ich hier skizziert habe.

Tim Foyle ist ein Engländer, der Katzen, Natur, Musik, Essen, Menschlichkeit und Wahrheit liebt. Sie können seinen Schriften hier und auf Twitter folgen: @timfoyl

Quelle: https://off-guardian.org/2021/03/12/on-the-psychology-of-the-conspiracy-denier

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13 thoughts on “Über die Psychologie des Verschwörungsleugners”

  1. Eine interessante sozialpsychologische Analyse. Im Großen und Ganzen deckt sie sich mit meiner Analyse des “gesellschaftlichen Borderliners”. In den ich die Weiterentwicklung des für den Kapitalismus typischen narzisstischen Subjekts sehe. Auch die psychologische Primitivität ist gut beschrieben. Ich erkenne darin die symbiotische Objektbeziehung des Borderliners zu seiner Umwelt. Die Ersetzung von Authentizität durch Manipulation und Konstruktion. Stichwort: Konstruierte Persönlichkeiten, etc. p.p. Man könnte auch sagen: Dass im Kapitalismus die Weiterentwicklung der kognitiven Intelligenz zwangsläufig zu Lasten der emotionalen Intelligenz, bzw. auch “erotischen Intelligenz” geht. Dadurch notwendig pathologische, insbesondere zur Empathie wie zur Liebe unfähige Charaktere “gezeugt” werden. Und zwar besonders dies unter der sog. Intelligenz. Daher auch die von mir behauptete Beobachtung, dass besonders unsere Intelligenz zu verblöden scheint. Zu idiotisieren. Siehe auch: http://blog.herold-binsack.eu/2013/12/der-unerkannte-borderliner/

  2. Ich fürchte, die Erklärung ist viel einfacher: es handelt sich um Untertanengeist, was die Verschwörungsleugner umtreibt. Der Untertan ist immer bestrebt, der Herrschaft zu gefallen, auch prophylaktisch. Und er pflegt immer das Radfahrerprinzip, bei dem nach unten getreten wird.

    Interessanter als die Verschwörungsleugner sind die Hexenjäger und Inquisitoren. Wenn man heute als “Verschwörungstheoretiker” bezeichnet wird, dann bedeutet das ja nichts anderes als Ketzer. Der “Verschwörungsmythos”, die “Verschwörungstheorie” etc. sind nur moderne Worte für Ketzerei.

    Und wie immer bei Ketzerei gegen den vorherrschenden Glauben, so gibt es auch heute wieder Hexenjäger, die jeden Ketzer verfolgen, und die ihre perverse Befriedigung aus dem Zerstören von anderen Menschen ziehen – sicher eine sadistische Variante einer Persönlichkeit. Psychopath zu sein reicht für einen Inquisitor noch nicht. Er muss Freude durch das Schädigen der Mitmenschen empfinden. Und das lässt sich ja allenthalben auch beobachten, von “Volksverpetzer” bis “Psiram”.

    «In an ideocracy, the greatest criminal is imagined by ideocrats to be the dissenter, the one who by his very existence reveals the totalistic construct imposed on society to be a lie.»

    (The New Inquisitions, Arthur Versluis, Oxford University Press)

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